Samstag, 30. Oktober 2010

Oslo touristisch - Rundgang Nummer 1

Ich bin gerade ziemlich angepisst, denn eigentlich hatte ich schon komplett den ersten Rundgang durch Oslo fertig geschrieben gehabt - und ich hab mir echt Mühe gegeben und vieles nachgeschlagen! Wollte eigentlich nur noch ein paar Bildchen für euch einbinden und dann war leider alles unwiderbringbar - wegen dieser verdammten Auto-Speicherung - weg. Warum speichert es auch genau in dem Moment, in dem man es am wenigsten brauchen kann?? Memo an mich: immer schön Backups machen, wenn ich was geschrieben habe...

Wie dem auch sei, vor nun schon einiger Zeit hatte ich wunderbaren Besuch hier in Oslo, die zufällig in ihrem Handgepäck noch sehr viel Sonnenschein dabei hatte. Und so konnte ich ihr Oslo bei bestem Postkartenwetter zeigen und bin auf die Idee gekommen auch die Highlights dieser Stadt nicht vorenthalten zu wollen.

Beginnen werde ich meinen virtuellen Rundgang entlang der Hauptstraße Oslos, der Karl Johans Gate, die nach Norwegens erstem König zu Beginn des 19 Jahrhunderts Karl XIV. Johan - eigentlich französischer Abstammung aber vom vorhergehenden schwedischen König aufgrund dessen Kinderlosigkeit adoptiert - während der Personalunion mit Schweden benannt wurde und einmal vom Herrschaftssitz des Königs entlang dem Nationaltheater, der Universität, entlang am Grand Hotel und Parlament zum heutigen Hauptbahnhof führt und somit schon fast alle Sehenswürdigkeiten abklappert. Naja, nicht ganz...

Das Schloss, das als Residenz des Königs dient und auf dessen Vorplatz eine Reiterstatue des Königs Karl XIV. Johan steht, ist verglichen mit anderen Königshäusern mit nur 173 Räumen sehr klein, denn bei der Bauphase des Schlosses, war Norwegen noch alles andere als wohlhabend und konnte sich etwas prunkvolleres nicht leisten. Heute ist es immernoch Wohnsitz der königlichen Familie obwohl im Besitz des Staates, wird aber unter anderem auch als Unterkunft für hohen Staatsbesuch und für politische Besprechungen sowie große politische Dinners und Empfänge genutzt. Dadurch wird jeder Winkel des Schlosses als Gebäude des Staates genutzt und dient nicht nur als Wohnsitz der königlichen Hoheit. Touristisches Highlight soll die Wachablösung sein, die jeden Tag um halb 2 dort durchgeführt wird - meins ist es jedoch nicht...


Das Schloss hinter sich lassend gelangt man zu den Gebäuden der alten Universität, die hier im Jahre 1811 gegründet wurde. Es laufen jetzt schon alle Amok wegen der 200Jahrfeier die deswegen nächstes Jahr hier veranstaltet wird. Vor der Gründung mussten alle, die eine höhere Bildung erlangen wollten an die Universität Kopenhagen gehen, bis Norwegen endlich auf dem langen Weg zu ihrer Eigenständigkeit eine eigene Uni bekommen hat. Heute ist in diesen Gebäuden die juristische Fakultät untergebracht und ermöglicht uns dadurch einen juristenfreien Campus ;-)

Gegenüber der Universität befindet sich das Nationaltheater. Auch dieses ist ein Zeichen des steigenden Selbstvertrauens und Etablierung einer unabhängigen norwegischen Identität. Das Theater wurde kurz vor dem Ende der Personalunion mit Schweden (1814-1905) im Herbst 1899 eröffnet und zeigt dabei deutlich das immer stärkere patriotische Bewusstsein und den Wunsch nach Unabhängigkeit. Aufgrund der über 400 Jahre währenden kulturellen Abhängigkeit Norwegens von Dänemark (1380–1814) galt die norwegische Sprache zunächst noch als unfein und ungehobelt. Folglich waren überwiegend dänische Schauspieler an norwegischen Theatern mit ebenfalls dänischen Werken beschäftigt. Erst ab den 1860er Jahren hielt die norwegische Sprache allmählich Einzug auf der Bühne und es wurden immer häufiger norwegische Stücke inszeniert. An diese Entwicklung schloss das Nationaltheatret konsequent an in dem es eine Bühne für ausschließlich norwegische Stücke (vor allem von Henrik Ibsen und Bjørn Bjørnson) bietete.

Weiter entlang der Karl Johans Gate gelangt man zum Grand Hotel, dem ersten Hotel der Stadt, das die Suit für den Friedensnobelpreisträger bereitstellt. Deshalb ist es zur Tradition geworden, dass sich der Friedensnobelpreisträger am Abend nach der Preisverleihung im Rathaus - zu der die Öffentlichkeit nicht zugelassen ist - sich dem Volk vom Balkon des Hotels zeigt und feiern lässt. Eigentlich war der Termin in meinem Kalender schon fest eingetragen, aber beim aktuellen Stand der Dinge ist noch zweifelhaft ob überhaupt Liu Xia - die Frau von Liu Xiaobo - aus China ausreisen und den Preis in Empfang nehmen darf...

Schließlich wäre da noch das Stortinget, wörtlich übersetzt "große Versammlung", das norwegische Parlament. Es existiert seit der Verabschiedung der ersten norwegischen Verfassung am 17. Mai 1814 und bestand auch während der bis 1905 andauernden Personalunion mit Schweden, demzufolge war Norwegen seit 1814 komplett von Dänemark unabhängig und in manchen teilen, bis auf das Regierungsoberhaupt auch von Schweden, bis dann 1905 die endgültige Unabhängigkeit erfolgte. Soweit zur Institution Parlament, das Gebäude an sich ist wie ich finde eher untypisch für Norwegen. Dank der konstitutionellen Monarchie wird unter anderem einmal im Jahr - am ersten Samstag im Oktober - das Parlament von Ihrer Hoheit persönlich eröffnet. Zu diesem Anlass gibt es eine lange Parade des Militärs bis schließlich alle Botschafter Norwegens, die Regierungsmittglieder und zu guter letzt das Königspaar den "weiten" weg entlang der aufgereihten Soldaten vom Schloss zum Parlament überwunden haben. Wir haben es uns sogar angeschaut, doch versteckt in ihren dicken Autos hat man eigentlich nicht wirklich was von der Prominenz gesehen. Interessant fand ich es trotzdem...

Das Auto des Königs






Das Foyer erscheint einem eher aus der toskanischen Gegend zu stammen, während der Plenarsaal mit dem ganzen Schnick Schnack meiner Meinung nach so auch in Versailles stehen könnte. Einer norwegischen Tradition entsprechend sitzen die Mandatsträger nicht nach Fraktionen, sondern nach Heimatprovinzen verteilt im Plenarsaal, wäre zu analysieren ob die Politik dadurch problemzentrierter wird und sich nicht in endlosen Prinzipienreitereien der Parteien verlieren. Die zahlreichen Büroräume in den ringsum angrenzenden Gebäuden sind entspannt durch unterirdische Gänge zu erreichen

Etwas abseits der Karl Johans Gate gelangt man zur Domkirke - einer für europäische Verhältnisse nur sehr schnucklig kleine Kriche. Dennoch finden hier die königlichen Ehelichungen statt. Architektonisch ist es trotzdem nur sehr unspektakulär und nur der gleichseitige kreuzförmige Grundriss ist entwas ungewohnter, dennoch kann ein Besuch des Hochfestes oder eines der zahlreichen Kirchenkonzerte durchaus interessant sein.


Vom naheliegenden Bahnhof sind es dann nur noch wenige Schritte bis man den neuen Stolz der Stadt erreicht, der anscheinend einem Eisberg nachempfunden in einer Bucht des Oslofjords gestrandet ist, oder wie ich find als Luxusjacht dort vor Anker liegt: Das Osloer Opernhaus. Die Eröffnungsfeier im April 2008 hat Deutschland einen wunderbar aufregenden Skandal um Angela Merkel - oder besser um ihre Abendgaderobe gebracht, als sie sich versehentlich (?) doch ihrem eigentlichen biologischen Geschlecht erinnert hat und vergessen hatte. Ein Faux-Pas sondergleichen...
Es gilt als ein Muss bei einem Besuch Oslos auch auf dem Dach der Oper zu laufen, wobei man sich nicht nehmen lassen sollte auch das Foyer in Gutacht zu nehmen und eventuell ein paar interessante Fotos zu machen. Die architektonischen Grundlinien ernteten von der Fachwelt einhellig Lob und so wurde das Architekturbüro für den Entwurf des Opernhauses im Jahr 2009 mit dem Mies van der Rohe Award for European Architecture ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu den spärlichen 173 Räumen des Schlosses besitzt die Oper eine Fläche von 38.500 Quadratmetern und neben den 3 Bühnen über mehr als 1500 Innenräume. Der Hauptsaal ist sehr modern und nüchtern mit dunkler deutscher Eiche und orangenen Sitzen gestaltet. Die Decke wird von einer modernen Interepretation eines Kronleuchters geziert. Eigentlich ist es eine gestreifte Fläche in Kreisform deren Streifen mit Leuchtioden bestückt sind und dadurch einen leicht silbrigen Schimmer erzeugen. Mit einem Leuchter im eigentlichen Sinne hat das aber nicht mehr viel zu tun... Generell war ich nach der beeindruckenden Architektur des Gebäudes an sich anschließend von der eher gewöhnungsbedürftigen Innenarchitektur im Hauptsaal enttäuscht. Doch das Stück, das wir angeschaut haben (Vier Jahreszeiten) hat uns gut genug davon abgelenkt... ;-)


Sonntag, 17. Oktober 2010

Der Winter ist da - das Winterfell auch!

So, nachdem ich nun die letzten Wochen verdammt beschäftigt war - erst hab ich 2mal Besuch aus Deutschland bekommen und somit neben dem Studium noch privater Reiseführer gespielt und anschließend bin ich für den DGS-Kongress nach Frankfurt geflogen wodurch ich nichtmal nebenher noch studieren konnte... Also jedenfalls nicht produktiv für meine Seminare - konnte ich leider auch meinen Blog nicht wirklich aktuell halten.

Aber ich gelobe feierlich alles nachzuholen was sich hier in Oslo ergeben hat und ich werde euch auch eine virtuelle Stadtführung erstellen - dann könnt ihr euch ganz wie mein Besuch fühlen und müsst euch dabei nicht mal die Füße kaputt laufen. Was für ein Service, nich?

Aber eigentlich wollte ich nur schnell meine aktuellsten Erkenntnisse aus dem kürzlich erlebten Kulturschock erzählen. So bin ich letztes Wochenende hier in Oslo an einem der schönsten Herbsttagen weg gefahren und alle Bäume standen in voller goldener Pracht, es war so warm dass man locker in einem leichten Pulli herumlaufen konnte und Sonnenuntergang war so gegen 19 Uhr. Eine Woche später komme ich nun zurück und es hängt kaum ein Blättchen mehr an den Bäumen, es ist kalt: die Straßen gefrieren schon über und die Brunnen die noch nicht abgestellt wurden sind morgens zugefrohren und die Sonne geht schon um 18 Uhr unter... Ganz schön krass wie schnell das ging...
Und da es so kalt ist fiel mir eine weitere Eigenart der Norweger auf. Ich mein ich wusste schon, dass Norwegeer sich über Nachhaltigkeit und ethische Überlegungen bezüglich Walfang nicht so sonderlich viele Gedanken machen, dennoch war ich ziemlich erstaunt, dass hier sehr viele auch recht junge Frauen sich mit Pelzmänteln, -mützen oder -schälen kleiden. Man muss nur einmal eine Straße entlang gehen und man ist 10 ehemaligen Tieren dabei begegnet...
Wenn es wenigstens Tierfelle wären, von Tieren, die man eh zum Essen schlachtet, aber ich glaub diese Tiere stehen selbst bei Norwegern nicht auf dem Speiseplan... Hierbei sieht mal man wieder wie Neureich Norwegen doch ist und auch wie ihr kultureller Hintergrund sie prägt: Hier fährt man halt eine halbe Stunde aus der Hauptstadt raus und ist in purer Natur - da fällt es einem wohl schwer den negativen Einfluss des Menschen auf die Umwelt und das Ökosystem wahrzunehmen und ein schlechtes Gewissen kann erst gar nicht aufkommen...

Ich hoffe auch die Norweger werden irgendwann aus ihrem eingeschränkten Blinkwinkel ausbrechen können und sich mehr Gedanken bezüglich ihrem Umgang mit der Natur und den natürlichen Ressourcen machen, auch wenn sie bisher noch nicht soviele negative Auswirkungen ihres globalen Handeln vor Ort in Norwegen sehen konnten...

Mittwoch, 29. September 2010

Marathon in Oslo

Eines sind die Norweger auf jedenfall und das ist sportfanatisch. Abgesehen davon, dass jeder mit der Metro fährt statt die Strecke von einer Station zu laufen. Aber ansonsten wird bei einigermaßen akzeptablem Wetter sofort die Metro hoch zum Sognsvann und der Nordmarka genommen und sich dann dort die Seele aus dem Leib gerannt oder das Mountainbike durch die unwegigsten Gegenden gequält. Manchmal hat man echt Angst, dass jemand direkt nebeneinem zusammenklappt, so keuchend kommen sie einem entgegen. Vielleicht sollte ich meinen Ersten-Hilfe-Kurs mal wieder auffrischen, das ich weiß, was ich machem muss wenn einer der über 60jährigen sich mal wieder den Berg hochquält und dabei einen Herzinfarkt bekommt...
Egal ob jung oder alt, hochschanger oder mit einer körperlichen Behinderung. Häufig genug schieben sie dann auch noch einen Kinderwagen dabei vor sich her - wenigstens das machen sie alle: die Kinder sind immer mit dabei wenn die Eltern mal frei haben. 

Und so kam es auch, dass am letzten Sonntag der Oslo-Marathon im Stadtzentrum veranstaltet wurde und insgesamt glaub ich 8.000 LäuferInnen gestartet sind. Dadurch war es praktisch unmöglich irgendwohin in der Innenstadt zu gelangen, da jede Straße abgesperrt war und die Massen sich durch die Straßen gewälzt haben. 

Aber dennoch ganz interessant, wer da alles mitläuft. Am beeindruckendsten fand ich den Start den blinden Läufern. Ich hab mir davor noch nie über sowas Gedanken gemacht, wie Blinde Sport machen, aber warum nicht? Die haben einfach einen Partner, mit dem sie entweder über ein Band oder einen Stab verbunden sind und der neben ihnen herläuft und sie auf schwierige Stellen aufmerksam macht.

Montag, 27. September 2010

Kultur am laufenden Band

Am Freitag Abend war glaub ich ganz Oslo auf den Beinen, denn es war Kulturnacht. Das bedeutet 300 kulturelle Einrichtungen hatten kostenlos Aufführungen oder Sonderführungen organisiert und jeder dem beliebte konnte sich an den Darbietungen erfreuen. Auf dem Programm standen Sonderführungen durch fast jedes öffentliche Gebäude, häufig musikalisch besonders gestaltet, zahlreiche Konzerte und Kunstausstellungen sowie Stelldicheins von diversen lokalen Vereinen.

Da das Wetter mal wieder ziemlich norwegisch war, haben wir uns dazu entschieden uns eher auf die indoor-Veranstaltungen zu konzentrieren. Und so hatten wir zu Beginn die einmalige Chance genutzt das weltbegende Ullevål Stadion, das das Heimstadion der norwegischen Nationalmannschaft ist und uns Konzerte von unserem Balkon aus ermöglicht, auch einmal von innen zu sehen. Statt immer nur die Außenfassade zu bewundern... Das war großartig. Ich glaub das Stadion in Frankfurt ist genauso beeindruckend. Das Museum haben wir uns dann gleich gespart und sind weiter in die Stadt gefahren. Aber jetzt habe ich wenigstens einen wunderhübschen Fanschal vom Fußballshop und eine Wuwuzela die wahrscheinlich 3Cent Produktionskosten hatte, maximal... Wer will sie haben?

Nächster Höhepunkt: das Parlament oder hier genannt Stortinget. Wie ihr an dem Bild des Foyers sehen könnt, sieht es im Parlament nicht so norwegisch sondern eher toskanisch aus, denn der Architekt hat sich sehr für die europäische Architektur interessiert und sie in das Parlamentsgebäude des erstmals unabhängigen Norwegens integriert. Ich fand das etwas befremdlich, dass sie eigentlich mit der neuen Verfassung und Staatsstruktur endlich was eigenes machen wollten und sich dann ein südeuropäisches Parlament bauen. Auch der Plenarsaal sieht mit dem ganzen Gold und Klimbim viel eher nach dem Schloß von Versaille aus als nach norwegischer Identität. Aber wenn es ihnen gefällt. 
Das Bild an der Wand zeigt übrigens den Zeitpunkt an dem die Verfassung Norwegens 1814 verfasst wurde, als Norwegen mal für ein paar Monate unabhängig war, bevor sie wieder unter schwedische Vorherrschaft gekommen sind. Die Verfassung ist aber immernoch die heute gültige und bestimmt die Grundzüge der konstitutionellen Monarchie und das Verhältnis von Parlament und König. Wenn ich mal Zeit habe versuche ich euch das politische System noch ein bisschen genauer zu erklären...

Kaum aus dem Parlament wieder draußen haben wir uns beeilen müssen um noch rechtzeitig zum Orgelkonzert in der Domkirche zu sein. Die Domkirche ist Norwegens größte Kirche, aber mit anderen europäischen Domkirchen nicht zu vergleichen - weder in Größe noch in prunkhafter Ausstattung. Ich mag sie dennoch und das Konzert hat eine angenehme Atmosphäre geschaffen.





Krönender Abschluss unseres Kulturmarathons war dann schließlich das Feuerwerk das im Oslofjord vor dem Rathaus losgefeuert wurde und uns anschließend noch die Gelegenheit für ein paar Nachtaufnahmen das Rathhauses geboten hat. Aber dann hat es auch wirklich gereicht, denn es war unglaublich kalt und vorallem hat es die ganze Zeit leicht geregnet und die Feuchtigkeit hat sich überall reingesetzt. 


Sonntag, 26. September 2010

Im Schein der Kerzen

Nachdem ich mich nun etwas länger nicht mehr bei euch melden konnte, versuch ich jetzt mal nach und nach ein bisschen aufzuholen um euch ein bisschen mehr von den Ereignissen in Oslo zu berichten.

In Oslo scheint es jedes Jahr am 23. September den Brauch zu geben, mit tausenden von brennenden Kerzen den Weg entlang am Ufer des Fluss Akerselva zu erleuchten. Der Fluss beginnt bei einem recht schön gelegenen See am nördlichen Stadtrand Oslos in den ersten Ausläufern der Nordmarka und bahnt sich dann den Weg einmal komplett durch Oslo hindurch, bis er schließlich nach 8km nahe des Stadtzentrums in den Oslofjord mündet. 
Abgesehen davon, dass das gesamte Flußufer mit Fackeln ausgeleuchtet ist, gibt es über die ganze Strecke auch noch kleinere und größere Installationen, die mithilfe von Licht und unterschiedlichsten Materialen die Strecke zusätzlich gestalten. Außerdem sind alle paar Meter andere Darbietungen aus dem kulturellen Leben Oslos zu sehen und jede Gruppe, die singt, musiziert, tanzt oder ähnliches macht wird die Menschenmassen, die sich den Fluß entlang drücken mit Auszügen ihrer Darbietungen unterhalten. 

Ich finde es eigentlich einen ganz netten Brauch und eine gute Möglichkeit für die Gruppierungen sich an eine breite Öffentlichkeit zu wenden und durch Kerzenlicht und andere Materialien einen heutzutage eher ungewohnten Eindruck zu erzeugen. Leider konnten wir das Spektakel nicht in vollen Zügen genießen, da uns das Wetter einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nach zwei Stunden waren wir dann doch trotz Regenkleidung etwas durchnässt und die Stimmung deshalb an ihrem Tiefpunkt angelangt. Und wir sind nur am Weg entlang gelaufen und haben weder Bodentanz im Matsch vorgeführt noch Wasserpfeife mit unserem Blasorchester gespielt...
Ich frage mich aber immernoch, warum es diesen Brauch gibt und vor allem, warum es immer am 23. September veranstaltet wird. Vielleicht hat es etwas mit dem Tag des Herbstanfangs zu tun, vielleicht liegt es auch daran, dass Norwegen und Schweden am 23. September 1905 die seit 1814 bestehenden Personalunion aufgelöst haben und Norwegen dadurch endgültig unabhängig geworden ist... Vielleicht...

Montag, 20. September 2010

The wild, wild Nordmarka...

Wie ich euch schon einmal erzählt habe sind leider die Wochenendtrippoptionen mit Geiranger bzw. Jotunheim aus logistischen und meterologischen Gründen nicht zu realisieren gewesen. Somit hat sich unser Wochenendtripp am letzten Wochenende auf die Region Oslo begrenzt - warum auch nicht? Denn warum sollte man in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Und das tut es wirklich - in beiden Aspekten!

Demzufolge sind wir (Sarah2 und Ich) mit Backpack und Zelt bepackt in der Nordmarka (dem 40km breiten Waldgürtel um Oslo) wandern und zelten gegangen. Erschreckend, wie wenig wir nur in den insgesamt 2 Tagestouren von der Nordmarka abgedeckt haben - es ist einfach ein unglaublich riesiger und endlos wirkender Wald, der sich direkt hinter der Hauptstadt erstreckt. Man wagt es gar nicht zu glauben, dass es so viel "unberührte" und wilde Natur wirklich noch direkt hinter einer so großen Stadt gibt. Man muss keine Stunde laufen (abseits der von uns so gern als Autobahnen betitelten Privatstraßen, die sich durch die Nordmarka schlängeln und rege von Mountainbikern und laufwütigen Norwegern genutzt werden) und man hat das Gefühl man ist in der hinterletzten Pampa fernab jeglicher Zivilisation. Nur die vereinzelten Flugzeuge, die man hört erinnern einen daran, dass der internationale Flughafen nicht fern sein kann...

Angefangen hat unsere Tour am Freitag Abend - hauptsächlich haben wir an dem Tag unsere Rucksäcke geschnappt und sind an den Rand der Nordmarka mit dem Bus gefahren um nach ungefähr einer Stunde Gehzeit unser Zelt in den Wäldern aufzubauen. Am nächsten Tag haben wir uns dann bei schönem Wetter auf den Weg entlang den vielen kleinen Bachläufen hoch zum See Skjersjøen gemacht, die wir für unser erstes Etappenziel überqueren mussten.

Schwer beladen aber guter Laune am Skjersjøen






















Uns hat es nämlich zu einem besonderen Aussichtspunkt gezogen, von dem aus man ein bisschen die unglaubliche Größe der Nordmarka erahnen kann. Wahrscheinlich sieht man auf dem Foto hier nicht einmal ein Drittel von der Strecke, die der Wald eigentlich noch weiter geht. Und trotzdem hat man Oslo noch direkt im Rücken und sieht wie die Hauptstadt nahtlos in die endlosen Wälder übergeht... Ich fand das ganz schön beeindruckend...

gut gelaunte Sarahs im Quadrat

Oslos Stadtrand inmitten von endlosem Wald
























Da aber dieser Aussichtspunkt nicht das Endziel unserer Wanderung sein sollte haben wir uns noch weiter auf den Weg zu dem wohl schönsten und ruhigsten See überhaupt gemacht. War ein richtiger Glücksfall, dass es uns dort hin gezogen hat, denn einen besseren Zeltplatz hätten wir auf keinen Fall finden können: nicht nur, dass es einer der wenigen Quadratmeter in der gesamten Nordmarka waren, die nicht von Gestrüpp oder Felsbrocken übersät und zudem noch einigermaßen eben sind, auch das Panorama aus der Zelttür ist wohl nicht zu übertreffen...

Der See Rottungen bei abendlichem Wolkenschauspiel
Unser Deluxezelt mit besonders schöner Aussicht
So ist es auch kein Wunder, dass wir uns am nächsten Morgen fast nicht von dieser herrlichen Kulisse trennen konnten und das wunderschöne und fast schon unnorwegische Wetter für diverse Fotosessions ausgenutzt haben. Doch die Zeit ist leider nicht stehen geblieben und so mussten wir uns irgendwann dann doch auf den Rückweg durch die verschlungenen Trampel- und teilweise auch Matschpfade der Nordmarka machen um bei Zeiten wieder zurück in der Zivilisation zu sein...



Ein kleines Steinchen das in den See hineinragt...
Wie gut, dass so ein schönes Fleckchen Natur direkt vor unserer Haustür liegt und wir jederzeit dorthin zurückkehren und weitere schöne Ecken entdecken können...
endlich mal alle drei zusammen auf einem Foto...

Mittwoch, 15. September 2010

Mein Dorf - äh Wohnheim...

Wie ich schon einmal geschrieben habe, lebe ich hier in Oslo in einem Wohnheim, das in die Gebäude des ehemaligen olympischen Dorfes eingerichtet wurde. Ein Dorf ist es somit immernoch und es gibt glaub ich 48 Häuser die alle mit Studierenden bewohnt sind. Das macht fast 1300 Studierende auf kleinstem Raum  - also definitiv schon ein richtiges Dorf... Und deswegen haben wir auch unseren eigenen Supermarkt sowei einen Pup auf dem Gelände - fehlt nur noch die eigene Metrostation... ;-)

Bei so vielen Leuten, die hier wohnen kann man sich auch gut vorstellen, dass die Briefträger nicht zu jedem Haus laufen möchten um dort die einzelnen Briefe raus zu kruschteln und deswegen haben wir hier einen Raum, bzw. eigentlich sind es 2, wo alle Briefkästen sind die einfach von hinten befüllt werden können. Aber bei so vielen Briefkästen (und es sind auf dem Bild noch nicht mal alle Briefkastenwände drauf) muss man immer ein bisschen suchen, bis man endlich seinen gefunden hat. Da wird man ganz schön faul beim Post checken - wobei man hier keine Briefe mehr zugestellt bekommt, wenn der Briefkasten voll ist und bei den ganzen Stapeln an Werbeprospekten kann das ganz schön schnell gehen...

Dienstag, 14. September 2010

Hva skal vi gjøre i helga? Oder: Was sollen wir am Wochenende nur tun?

Da ich am "Wochenende" aufgrund ausfallender Kurse insgesamt 5 Tage frei haben werde, wollte ich eigentlich einen größeren Tripp irgendwo in Norwegen machen. Nachdem ich 2 Wochen nach Kameradschaft gesucht hab, hab ich nun auch wirklich jemand williges gefunden, der wenigstens von Freitag bis Sonntag Zeit hat und auch gerne weg fahren möchte. Also bleibt nun nur noch das Problem, wo wir hinfahren wollen und das scheint hartnäckig zu sein:

Die imposantesten Gegenden, die ich gerne noch von Norwegen gesehen hätte wäre zum einen der sehr bekannte Nationalpark Jotunheim. Die Wege dort liegen ungefähr auf 1000m höhe und dadurch eröffnet sich einem einem atemberaubend karge Landschaft von Bergen und Seen. Hier mal ein Bild als Vorgeschmack. Am liebsten würde ich dort einmal mit insgesamt 2 Tagestouren auf dem Grad entlang am See laufen und anschließend mit dem Boot zurück fahren. Das Problem hierbei ist, dass es am Wochenende dort Temperaturen um den Gefrierpunkt haben soll und ab und zu ein bisschen schneien soll. Eigentlich auch nicht wirklich ein Problem, wenn man nicht im Zelt sondern in den Wanderhütten entlang der Strecke schalfen könnte. Doch die Hütten haben leider nur bis 15. September - was morgen ist - geöffnet... Und auch die Fähre fährt danach nicht mehr. Meine Camping-Ausrüstung ist aber definitiv nicht für ein solches Klima ausgelegt...

Also die andere Überlegung: Ab zum imposantesten und bekanntesten Fjord Norwegens: dem Geirangerfjord, der durch seine hoch aufragenden Berge drum herum, die große Wassertiefe (wodurch das Wasser unglaublich blau aussieht) und viele Wasserfälle sehr bekannt ist. Problem hierbei: es soll das ganze Wochenende regnen und dann sieht man von der tollen Aussicht und dem wunderschön blauen Fjord wahrscheinlich auch nicht mehr viel. Außerdem fährt zwar noch ein Bus von Oslo bis 20km vor Geiranger, die letzten 20km müsste man dann aber laufen oder hitchhiken - was sich in der Offseason wohl auch schwerer gestalten könnte, da einfach kaum einer mehr dort vorbei kommen wird...

Es ist wirklich verflixt... Und ich will wirklich nicht 5 freie Tage nur in Oslo verbringen. Aber es scheint sonst in ganz Norwegen (außer in Oslo) entweder zu Regnen oder zu Schneien und das Problem der Offseason ist überall außerhalb Oslo ziemlich hartnäckig zu sein. Also bleibt wohl noch die letzte Möglichkeit, dass ich irgendwann nochmal nach Norwegen zurück kommen muss im die oben beschriebenen Dinge zu machen und nun mich mit einem Hiking-Trip durch die Nordmarka anfreunden zu müssen. Die Nordmarka ist der 40km breite Waldgürtel der Oslo umgibt, und voller Wanderwege und Cabins ist. Vielleicht lässt sich hier ja noch eine zwei bis drei Tagestour finden, die dann wahrscheinlich nicht ganz so spektakulär ist, aber besser als meine 4 Wände im Wohnheim anzustarren und mich über den kurzen touristischen Sommer in Norwegen aufzuregen...

Samstag, 11. September 2010

"Je ne comprends pas..."

So, seit heute kann ich euch auch endlich berichten, wer das anscheinend so begehrte siebte Zimmer unserer WG erhascht hat, nachdem es nun zwei Wochen trotz anscheinend unglaublich langer Warteliste leer gestanden hat. Es ist noch einmal eine Französin, die noch weniger englisch sprechen und verstehen kann als die erste... Yeah!

Ich versteh nicht, warum ausnahmslos alle FranzsosInnen die ich hier treffe, miserabler englisch sprechen, als ich französisch... Das ist ziemlich nervig mit der Zeit, denn mein französisch ist auch eher dürftig und man kann einfach nicht mit ihnen kommunizieren. Sie verstehen nicht mal die grundlegenden Fragen, wie "was studierst du?" oder "wie lange bleibst du in Oslo?"
Und zu allem Überfluss haben FranzosInnen den Drang sich nur mit ihresgleichen zu umgeben, wodurch jetzt statt den zwei eigentlichen Mitbewohnerinnen bei mir in der WG fast ständig 4 FranzosInnen sich aufhalten, wobei natürlich ausschließlich und lauthals auf Französisch gegackert wird. Dadurch wird deren Englisch leider auch nicht besser... 
Ich frag mich, wie sie überhaupt auch nur einen Schein hier an der Uni machen können, denn die englischen Vorlesungen verstehen sie offensichtlich nicht,; es macht aber auch keineR Anstalten entweder Norwegisch oder Englisch zu lernen - das könnte ja zu internationaler Kommunikation führen und vor allem die heilige und perfekte französische Sprache verändern, die sich bestimmt nicht in den letzten zweitausend Jahren durch andere kulturellen Einflüsse verändert hat und eigentlich dadurch erst entstanden ist... 

Ein Wunder, dass sie sich überhaupt ins Ausland wagen - von mir aus könnten sie mit der Einstellung aber auch gerne in Frankreich bleiben, denn so machen sie den Alltag hier mit ihrer Verbohrtheit nur unnötig kompliziert und Leute mit anderen Nationalitäten wollen sie eh nicht kennen lernen - nicht, dass wir es nicht mit frisch gebackenem Kuchen und unseren spärlichen Französischkenntnissen versucht hätten, aber wir sind ihnen wohl nicht gut bzw. französisch genug...

Donnerstag, 9. September 2010

Die königlichen Schlafgemächer im Niedrigpreissegment

Mittlerweile kann ich in meinem Zimmer sogar richtig leben - nachdem ich den halben Ikea leer gekauft habe. Ich glaub ich werde nie verstehen, warum das Studentenwerk hier nicht, wie die meisten deutschen Wohnheime, für die Internationals ein paar Bettdecken und Kissen da haben und man die dann für das halbe Jahr ausleihen kann. Ok, hier in Oslo gibt es einige Internationals und wahrscheinlich ist das Risiko zu groß, dass die Decken dann versiffen, aber für was gibt es denn Kautionen? Die andere Möglichkeit wäre eben, dass man dem Studentenwerk bei abreise eben sein Bettzeug geben könnte - weil was fang ich damit nach Oslo denn noch an? - und dann jeder International der nach Bettzeug fragt sich dann davon was nehmen kann. Dann müsste nicht jeder erst mal eine neue Decke am ersten Tag kaufen gehen um überhaupt was zu haben... Aber mit Ressourcen sparen kennen die Norweger sich ja eh nicht so gut aus...

Also bin ich mittlerweile komplett ausgestattet, mit dem Kram den man halt unbedingt braucht und Ikea um ein bisschen Umsatz reicher. Wobei ich echt erstaunt bin wie günstig das zusammen war. Ok, ich hab immer das aller Günstigste und auch nur das, was ich unbedingt brauche, gekauft. Aber ich habe trotzdem nicht mehr als 25€ bei Ikea ausgegeben. Und das für ein Kissen (4€), ein Bettlaken (2€), zwei Bettdecken (,weil Stufe 1 sonst zu kalt, aber viel günstiger: 5€), ein Bettbezugset (das war richtig teuer: 10€) und einen Vorhang in zartem Himmelblau, oder besser gesagt eine zweckentfremdete Fleecedecke, die ich mir vor das Fenster hänge für ganze 2,50€. Und der zerschnittene Kalender macht sich auch echt gut an meiner zerlöcherten Wand...

Das ist übrigens der beste Vorhang den ich jemals hatte, denn, anders als die ganzen günstigen Vorhänge ist er wirklich blickdicht und kann mir - falls mir mal kalt sein sollte, trotzdem noch als Decke dienen. Und so bin ich glaube ich auch die einzige Backpackerin aller Zeiten, die zum Zelten einen Vorhang mitgenommen hat... xD 
Denn bei unerem Trip nach Stavanger wussten wir nicht so genau ob unsere Sommerschlafsäcke warm genug sein werden...

Wenn mein zwei Augen zu drückt, kann man sich auch nicht über die Qualität beklagen (vor allem nicht bei dem Preis, man darf nur nicht so genau fragen unter welchen Bedingungen die Sachen in Indien o.ä. produziert wurden); für ein halbes Jahr ist das definitiv ausreichend! 
Und da wage es noch einmal einer zu sagen, dass Oslo teuer sei... tststs... Man muss eben nur wissen, was (und wo) man kauft...


PS: für Besuch haben wir in der WG mittlerweile sogar eigens eine Bettgarnitur und zwei wundervolle Schaumstoffmatrazen. Wer sich diesen Luxus nicht entgehen lassen möchte ist herzlich willkommen! ;-)